Fünf Säulen des Islams

FÜNF SÄULEN DES ISLAMS
 
Der Glaube der Muslime spiegelt sich in ihrer Glaubenspraxis. Fünf wesentliche Gottesdienste sind zu erfüllen. Diese gelten für Männer und für Frauen, wenn sie religiös mündig (mukallaf) geworden sind. Sie sind also verbindlich, wenn jemand körperlich und geistig reif ist und Verantwortung für das eigene Handeln tragen kann. In ihrer sozialen Komponente zeigen die fünf Säulen, wie Frieden in Gott zu finden immer auch Frieden mit den Mitmenschen anzustreben bedeutet.
 
1.      Glaubensbekenntnis – Schahada
 
 „Ich bezeuge, dass es keinen Gott (Allah) außer Gott (Allah) gibt und ich bezeuge, dass Muhammad der Diener und Gesandte Gottes ist.“
 
Mit diesem Bekenntnis, der Schahada, wird der Glaube an den Einen Gott, der „zeugt nicht, und ward nicht gezeugt“ (Koran, 112:3) niedergelegt und der Prophet Muhammad als letzter Gesandter Gottes in der Reihe der Propheten von Adam bis Jesus anerkannt. Muhammad (570 bis 632), ist also nach muslimischem Verständnis nicht „Religionsstifter“, sondern Übermittler der Offenbarung, die ihm Allah mit dem Koran gab. Sie bestätigt, was zuvor herab gesandt wurde: Gott darf nichts beigesellt werden. Die Lehre von der Einheit Gottes (Tauhid) ist Quelle einer umfangreichen Beschäftigung muslimischer Denker und auch Philosophen.
Wer das Glaubensbekenntnis spricht und vor allem verinnerlicht, ist Muslim. Eine liturgische Aufnahmezeremonie gibt es nicht, aber eine Dokumentation vor zwei Zeugen.
 
2.      Gebet – Salah
 
Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen. Alles Lob gebührt Alläh, dem Herrn der Welten, dem Allerbarmer, dem Barmherzigen, dem Herrscher am Tage des Gerichts. Dir (allein) dienen wir, und Dich (allein) bitten wir um Hilfe. Führe uns den geraden Weg, den Weg derer, denen Du Gnade erwiesen hast, nicht (den Weg) derer, die (Deinen) Zorn erregt haben, und nicht (den Weg) der Irregehenden. (Koran, erste Sure Al-Fatiha)
 
As-Salah, das Gebet, von arabisch „ankommen“ sucht die direkte Verbindung des Einzelnen mit Gott. Fünf mal am Tag sollen gläubige Muslime beten. Der Ablauf bindet rituell Körper und Geist ein. Die Gebetsrichtung ist Mekka, zur Kaaba, dem für die Muslime ersten monotheistischen Gotteshaus, errichtet vom Propheten Abraham. Die Zeiten richten sich nach dem Sonnenstand : Vor Sonnenaufgang, wenn die Sonne im Zenit steht, wenn zu Nachmittag die Schatten länger werden, in der Abenddämmerung und in der Nacht. Rezitiert werden Koranstellen auf Arabisch, dabei immer die erste Koransure, die Fatiha. Als Wort Gottes hat das arabische Original für die Gläubigen auch eine spirituelle Bedeutung. Der Sinn soll von allen Muslimen verstanden werden. Darum gibt es Übertragungen in viele andere Sprachen. Für persönliche Bittgebete (Dua’), natürlich in der Muttersprache, ist vor allem wenn die Stirn den Boden berührt Platz. Betet man in Gemeinschaft, hält der Vorbeter (Imam) hier einen Augenblick inne. Außerhalb der Gebetszeiten ist natürlich auch Platz für kurze Gebete. Viele Muslime leiten ihre Handlungen mit der ersten Zeile des Koran ein: „bismi llahi ar-rahmina ar-rahim“ - „Im Namen des gnädigen und sich erbarmenden Gottes“, um so den Segen Gottes für ihr Tun zu erbitten.
 
3.      Sozial-religiöse Pflichtabgabe - Zakat
 
„Siehe, wer da glaubt und das Rechte tut und das Gebet verrichtet und die Zakat zahlt, deren Lohn ist bei ihrem Herrn; keine Furcht soll über sie kommen, und sie sollen nicht traurig sein.“ (Koran 2:277)
 
Die Zakat, von arabisch „reinigen“ führt einmal im Jahr einen Pflichtteil des persönlichen Vermögens in Höhe von 2,5 % an Bedürftige ab. Diese „Reinigung“ drückt aus, dass Umverteilung ein Recht der Bedürftigen ist, um eine Grundversorgung zu einem menschenwürdigen Leben zu erhalten. Theologisch ist darum ein Einbehalten der Zakat mit Diebstahl gleichzusetzen. Zakat zu zahlen ist eine Gewissenssache des Einzelnen und steht ganz unter dem Aspekt sozialer Gerechtigkeit. Dadurch kann in vielen Ländern, in denen ein Sozialversicherungssystem seitens des Staates fehlt, ein Abrutschen ins Elend verhindet werden. In der Zakat zeigen sich auch Prinzipien der Wirtschaftsethik im Islam, zu der gehört, dass Vermögen nicht gehortet, sondern im Fluss sein soll. Frauen erhalten hier eine Erleichterung: Ihr Schmuck ist nicht abgabepflichtig, wenn er auch getragen wird. Geld darf nicht verkauft werden, was das Zinsverbot bedingt, ebenso ist der Handel mit gar nicht Existentem untersagt.
 
4.      Fasten Im Ramadan – Saum
 
„Es ist der Monat Ramadan, in dem der Koran als Rechtleitung für die Menschen und als Beweis dieser Rechtleitung und als Maßstab herabgesandt wurde. Wer von euch in diesem Monat zugegen ist, soll während seines Verlaufs fasten. Wer jedoch krank ist oder auf einer Reise, der faste eine gleiche Zahl anderer Tage. Allah wünscht, dass er es euch leicht und nicht schwer mache und dass ihr die Zahl der Tage erfüllt und Allah dafür preist, dass er euch geleitet hat. Und vielleicht seid ihr dankbar.“ (Koran 2:185)
 
Als Mondmonat verschiebt sich Ramadan zum Sonnenjahr jeweils um zehn bis elf Tage, 2009 ab 21.08., 2010 ab 11.08. usw. Solange die Sonne am Himmel steht, gilt es weder zu essen, noch zu trinken, nicht zu rauchen und keinen Geschlechtsverkehr zu haben.
Das Gebot betrifft alle, die körperlich dazu in der Lage sind. Kranke oder andere Verhinderte fasten entweder zu einem späteren Zeitpunkt oder leisten einen Ersatz (Spende an Bedürftige). Im Mittelpunkt steht Spiritualität, das Üben von Geduld und die Erinnerung, dass viele Menschen ständig nicht genug zu essen und trinken haben. Dies soll auch die Spendenbereitschaft wecken, um mehr Sadaqa (Almosen) zu geben. Ramadan ist ein Monat des verstärkten sozialen Miteinander und somit auch Gelegenheit, Konflikte beizulegen und Versöhnung zu suchen. Verzeihen zu können ist ein religiöse Tugend.
Iftar (Frühstück) heißt die Mahlzeit zum Fastenbrechen. Sie beginnt meist mit Datteln und Wasser. Prizipiell können alle als „halal“ (rein, erlaubt) geltenden Speisen und Getränke bis zum Beginn der Morgendämmerung genossen werden. Schweinefleisch, Blut und Verendetes (Aas) ist für Muslime ebenso verboten wie Alkohol. Allgemein gilt: Was nicht verboten ist, ist erlaubt. Es soll wie immer auch im Ramadan ein „Weg der Mitte“ gesucht werden, beim Essen also Genuss ohne Völlerei und Verschwendung, siehe auch Koran 7:37. Wer auf seinen Körper hört, wird sich bewusster und gesünder ernähren und auch bei der Flüssigkeitsaufnahme aufpassen, für den nächsten Tag gestärkt zu sein. Denn Fasten soll und darf ja nicht der Gesundheit schaden.
Nach Ramadan gibt es ein dreitägiges Fest (arab. Eid al Fitr, türk. Ramazan Bayram).
 
5.      Pilgerfahrt nach Mekka – Hadsch
 
Und rufe die Menschen zur Pilgerfahrt. Lass sie zu dir kommen zu Fuß und auf allen möglichen flinken Reittieren, aus den fernsten Gegenden.“ [Koran 22:27] „Siehe, das erste für die Menschheit errichtete Haus war das in Bakka(Mekka) - gesegnet und eine Leitung für alle Welt.“ (Koran 3:96)
 
Einmal im Leben sollen sich Muslime bei Gesundheit und ausreichenden finanziellen Mitteln auf die Pilgerfahrt nach Mekka begeben. Die Riten stehen in der Tradition des Propheten Ibrahim (Abraham): Die Umkreisung der Kaaba (tawwaf), der Lauf zwischen zwei Hügeln wie einst Hagar, die Andacht am Berg Arafat sind einige der Stationen. Im Zusammenkommen aus dutzenden unterschiedlichen Ländern wird der Anti-Rassimusgedanke im Islam auch praktisch geübt: Alle Menschen sind vor Gott gleich. (siehe Koran 49:13). Nach der Pilgerfahrt dürfen sich Muslime wie neugeboren fühlen. Umso wichtiger ist die Vorbereitung. Denn Gott vergibt nur bei Reue und Besserung Nachlässigkeiten im Gottesdienst wie bei Fasten oder Beten. Aber wer Menschen unrecht getan hat, muss dies wiedergutmachen, bzw. Verzeihung erreichen, um die Verfehlung zu tilgen. Schuldenfrei auf Hadsch zu ziehen ist also nicht nur im finanziellen Sinn gemeint.
In der Pilgerfahrtszeit liegt das Opferfest am 10. Dhul Hidscha (2008 am 8.12.; 2009 am (arab. Eid al Adha, türk. Kurban Bayram) zur Erinnerung an das Gottvertrauen Ibrahims. Dass statt des Sohnes ein Widder geopfert wurde, gilt gleichzeitig als Verbot des Menschenopfers. Weltweit erinnern sich Muslime daran, indem sie zum Opferfest ein Schaf oder anderes Opfertier teilen: Ein Drittel geht an Nachbarn und Freunde, ein Drittel an Bedürftige und nur das letzte Drittel ist für den Eigenverbrauch bestimmt.
 
 
Weiterführende Literatur:
 
Murad Wilfried Hofmann. Der Islam. Kreuzlingen, München, Hugendubel 2001
(Diederichs kompakt)
ISBN 3–7205-2191-5
 
Bruno Sandkühler. Begegnung mit dem Islam. Lebensformen und Perspektiven einer Religion. Stuttgart 2005 (Verlag Freies Geistesleben)
ISBN 3-7725-2038-3
 
John L. Esposito. Von Kopftuch bis Scharia. Was man über den Islam wissen sollte.
Leipzig 2004 (Reclam)
ISBN 3-379-20105-7
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Carla Amina Baghajati
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